Der Woid Woife und das achtsame Leben im Wald

Er lebt im Wald und die Tiere kommen zu ihm, weil sie ihm vertrauen. Die Welt draußen machte ihn krank, im Wald wurde er gesund. Sein Leben öffnet die Augen für die wichtigen Dinge des Lebens und die Notwendigkeit eines respektvollen Umgangs mit der Natur.

Für manche ist er ein Vorbild und Philosoph - der Woid Woife. Wolfgang Schreil aus Bodenmais im Bayerischen Wald ist bekannt geworden, weil er sich in seinen Bauwagen im Wald zurückgezogen hat und die Tiere zu ihm kommen. Sie kennen ihn und vertrauen ihm. Er spricht mit ihnen. Klar, dass ihn Zeitgenossen ab und an als arbeitsscheuen Spinner abtun. Ein solches Leben passt nicht in die durchgetaktete Welt des "schneller, höher, weiter", das vor allem in Deutschland hingebungsvoll zelebriert wird und alle - bei genauer Betrachtung oft hausgemachte - Probleme lösen soll.

 

Den Wald und die Tiere liebte der Woife bereits als Kind. Als Erwachsener entwickelte er sich erstmal zur großen Nummer im europäischen Kraftsport. Ein Poser. Ein Platzhirsch. Nach mehreren Schlaganfällen stellte er für sich fest, dass das Leben zu kurz ist, um Eitelkeiten Platz zu geben. Ruhe und Gesundung fand er im Wald, wo er am liebsten ist.

 

Heute kommen die Menschen zu ihm, er schreibt Bücher und hält Vorträge. Sofern er Lust hat. Er ist überzeugt, dass die Welt draußen die Menschen krank macht. Ein wichtiger Grund, dass seine Gäste sich von ihm den Wald zeigen lassen. Und sie beneiden ihn zutiefst um sein Leben. Was ihn wundert, ist, dass die Leute nach ihrem Besuch in ihr stressiges Leben mit all seinen Zwängen zurück gehen. Obwohl jeder das machen kann, was der Woife tut.

 

Ist der Woid Woife ein Spinner oder ein Vorbild? Er ist definitiv ein Vorbild. Warum? Weil sich gerade in Zeiten von Corona  die Gesellschaft stärker in schwarz und weiß, oben und unten, gut und böse spaltet. Alle wissen Bescheid, klugscheissern um die Wette und lassen sich nichts vormachen. Jeder meint, ohne ihn geht die Welt unter. Das äußert sich in der Regel im Umgang mit der Natur - ein tendenziell respektloser, unreflektierter, zerstörerischer.

Die Natur ist weder böse noch gut. Sie war vor uns und wird nach uns sein. Wir haben in weiten Bevölkerungsanteilen den Bezug zu ihr verloren und verlieren ihn ständig mehr. Eitelkeiten, Egoismus und der Tanz ums goldene Kalb wirken auf vieles zerstörerisch. Unsere hochgezüchtete Gesellschaft behauptet, dies und jenes zu lieben und zu respektieren ... ob es um die eigene Familie, ganze Gemeinschaften oder die Natur mit ihrer Fauna und Flora geht: Was man liebt zerstört man nicht.

 

Wir empfehlen das Buch vom Woid Woife, weil es die Augen öffnet für die grundlegenden Dinge des Lebens. Es passt zum unseren Themen einfacher leben (Minimalismus) und langsamer, sprich: achtsamer leben. Reduktion und Entschleunigung, den Blick frei bekommen, neu fokussieren.

 

Woid Woife: "Mein Leben im Wald", Benevento Salzburg und München, 2. Aufl. 2019, 192 Seiten, 20,00 Euro.